
Aktuelle Klimabilanz für Deutschland
17. März 2026Waldzustandserhebung 2025
Vier von fünf Bäumen sind krank – Wiederherstellungsverordnung behindert dringend nötigen Aufbau klimaresilienter Wälder
Wie geht es unserem Klimaschützer Wald? Hat er sich im zurückliegenden Jahr erholt? Oder macht ihm der Klimawandel weiter zu schaffen? Ein Blick in den neuen Waldzustandsbericht, den Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) in Berlin vorgestellt hat, gibt darauf eine klare Antwort: Dem Wald in Deutschland geht es weiterhin schlecht. Der Kronenzustand der Bäume als ein wesentlicher Indikator hat sich kaum verändert, teilte das Ministerium mit. Nur jeder fünfte Baum ist gesund – vier von fünf Bäumen sind also nach wie vor krank!
Seit 1984 wird die Waldzustandserhebung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) durchgeführt. Der aktuelle Bericht zeigt, dass sich der Wald bis heute „nicht von den Dürrejahren 2018 bis 2020 erholt“ hat. Sichtbare Nadel- und Blattverluste der Baumkronen befinden sich „weiterhin auf einem sehr hohen Niveau“ und haben sich im Vergleich zu 2024 kaum verändert. Das Fazit: Insgesamt leiden die Wälder in Deutschland weiterhin stark unter den Folgen des Klimawandels. Zunehmende Hitze, Trockenphasen und Schädlingsbefall, vor allem durch den Borkenkäfer, setzen den Flächen zu.
Besonders eindrücklich sind die Zahlen bei der Kiefer als Baumart mit dem höchsten Flächenanteil im deutschen Wald. Hier stieg der Anteil der deutlichen Kronenverlichtung laut Waldzustandserhebung im Bundesmittel gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozentpunkte auf 31 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit 1991. Große Sorgen bereiten auch die Laubbaumarten. 51 Prozent der Eichen weisen deutliche Kronenverlichtung auf. Bei der Buche verringerte sich dieser Anteil im Vergleich zum Vorjahr zwar um acht Prozentpunkte auf 38 Prozent, allerdings zeigen sich bei ihr immer wieder Schwankungen im Jahresvergleich.
Bundeslandwirtschaftsminister Rainer sieht die besorgniserregenden Zahlen, verweist jedoch gleichzeitig darauf, dass sich das Gesamtbild trotz ungünstiger Wetterbedingungen im vergangenen Jahr zumindest nicht verschlechtert, sondern stabilisiert habe. »Dies ist auch ein Erfolg von langjährigem Waldumbau«, sagte der Minister. Praktisch umgesetzt wird der Umbau in den forstwirtschaftlichen Betrieben, die sich aktiv den Herausforderungen durch den Klimawandel stellen und vor Ort individuelle Lösungen finden.
„Insgesamt machen die Folgen von Extremereignissen wie Trockenheit und Dürre unseren Wäldern weiterhin stark zu schaffen. Die Waldbesitzer reagieren auf die Auswirkungen des Klimawandels, indem sie die Wälder konsequent umbauen, so mit standortgerechten Baumarten“, sagt Prof. Andreas Bitter, Präsident des Verbandes AGDW – Die Waldeigentümer. Seine Forderung: „Damit das Mehrgenerationenprojekt Waldumbau langfristig gelingt, benötigen die Waldbesitzenden dafür verlässliche politische Rahmenbedingungen, mit denen sie vor Ort in ihren Regionen flexibel auf die Folgen des Klimawandels reagieren können.“
Genau diese Flexibilität, Praxisnähe und Planungssicherheit ist vor allem mit Blick auf die Wiederherstellungsverordnung (W-VO) der EU, die sich an historischen Leitbildern und Lebensraumtypen orientiert, nicht gegeben. „Wälder lassen sich unter den Bedingungen des Klimawandels nicht konservieren wie ein Freilichtmuseum. Wer gesunde und stabile Waldökosysteme fördern will, muss ihre dynamische Weiterentwicklung ermöglichen, statt sie behindern. Daher muss die W-VO dringend grundlegend überarbeitet werden“, sagt Bitter.
